Die Weltlage ist alles andere als entspannt. Kriege und Krisen beherrschen aktuell die Nachrichten. Und nicht zuletzt der Stromausfall in Berlin vor einigen Wochen hat deutlich gemacht: Es kann jeden jederzeit treffen. Da tut es gut, rechtzeitig Vorsorge in den Bereichen Katastrophen- und Bevölkerungsschutz zu treffen. Hier auf kommunaler Ebene alleine zu agieren, ist eine Möglichkeit. Ein andere haben St. Ingbert, Sulzbach und Kirkel gewählt. Die drei Kommunen haben sich auf Initiative der Stadt Sulzbach zu einem Arbeitskreis „Bevölkerungsschutz“ zusammengeschlossen. Das Ziel: Erfahrungen austauschen, Synergien erkennen und ausschöpfen – umso den Bevölkerungsschutz für die Menschen in allen drei Kommunen zu verbessern.
In der vergangenen Woche kam die Arbeitsgruppe zu ihrem ersten offiziellen Treffen in der nun aktuellen Dreierkonstellation in Kirkel zusammen. Zuvor hatte es schon einen ersten persönlichen Kontakt zwischen Sulzbach und Kirkel gegeben. Nun aber sollte die Arbeit Fahrt aufnehmen und erste konkrete Zielvorgaben definiert werden. Auch dies ein Grund dafür, dass neben Vertretern der in den Kommunen verantwortlichen Stellen auch die drei Verwaltungschefs, namentlich St. Ingberts Oberbürgermeister Ulli Meyer, Sulzbachs Bürgermeister Michael Adam und dessen Kirkeler Pendant Dominik Hochlenert, an der Sitzung teilnahmen.
Für den St. Ingberter OB hatte diese Treffen auch vor dem Hintergrund aktuellen Entwicklungen in der Welt große Bedeutung: „Die aktuelle Weltlage zeigt: Krisen können jederzeit und überall eintreten. Umso wichtiger ist es, dass wir als Kommunen frühzeitig vorsorgen und unsere Kräfte bündeln. Die Zusammenarbeit mit Kirkel und Sulzbach ist ein starkes Signal für gelebten Bevölkerungsschutz und interkommunale Zusammenarbeit. Gemeinsam können wir Erfahrungen teilen, Synergien nutzen und unsere Strukturen weiter verbessern – zum Schutz der Menschen in unserer Region.“
Im Zentrum des Vormittags im Ratssaal der Gemeinde standen zuerst drei Fachvorträge. Die sollten besondere Projekte und Aufgabenstellungen in den drei Kommunen beleuchten. Den Auftakt machte Sulzbach. So erläuterte Kira Rosar, dort im Bereich Bürgerdienste und Ordnungswesen angesiedelt, ein komplexes und vielseitiges, digitales Warnsystem. Mit dem, so Rosar in ihren Ausführungen, seien Alarmierungen möglich, die auf jede Krisenlage und auf jeden dann zu alarmierenden Personenkreis zugeschnitten werden könnten.
Für St. Ingbert gab Jonas Jung, dort verantwortlich für den Bereich Bevölkerungsschutz, Einblicke in die Ausarbeitung einer Dienstanweisung für den Einsatz eines so genannten „Stab für außergewöhnliche Ereignisse“, kurz SAE. Eine solche Dienstanweisung sei die Grundlage für den Einsatz eines Krisenstabes. Aufhorchen ließ Jungs Beschreibung einer besonderen Funktion innerhalb des Krisenmanagements der Mittelstadt: So habe man sich dazu entschieden, einen „Beamten vom Dienst“ ins Leben zu rufen. Der stehe im wöchentlichen Wechsel an sieben Tagen in der Woche und 24 Stunden am Tag in Bereitschaft – um in Situationen, die noch nicht den Einsatz eines Krisenstabes erforderlich machten, unüblichen Ereignissen begegnen zu können.
Den Schlusspunkt in Sachen Fachvorträge setzte Kirkel. Die Gemeinde stellte aktuelle Planungen für ein Notfall-Kommunikationsnetz vor. Dieses soll im schlimmsten denkbaren Fall eines Stromausfalls mit Verlust aller Kommunikationsmöglichkeiten trotzdem eine rudimentäre, textbasierte Verständigung zwischen ausgewählten Punkten in der Gemeinde ermöglichen.
Mit diesem Konzept, so Kirkels Bürgermeister Dominik Hochlenert, wolle man die Gemeinde auch dann kommunikationsfähig halten, wenn alle andere Möglichkeiten nicht zur Verfügung stünden. „Das ist aktuell das zentrale Projekt, das wir im Bereich des Bevölkerungsschutzes umsetzen wollen und korrespondiert direkt mit der Ausweisung von drei Hilfe- und Informationspunkten in der Gemeinde.“
Nun war es eine Sache, sich gegenseitig mit Blick auf schon laufende Maßnahmen im Bereich Bevölkerungsschutz auf Stand zu bringen. Eine andere war die Idee eines ersten gemeinsamen Projekts. Hier verständigten sich die drei Verwaltungschefs auf Vorschlag aus dem Kreis der Teilnehmer darauf, die Konzeption einer gemeinsamen Informationskampagne auf den Weg zu bringen. Das Ziel: Die Bevölkerung stärker für das Thema Eigenvorsorge als Grundpfeiler des Bevölkerungsschutzes zu sensibilisieren.
Sulzbachs Verwaltungschef Michael Adam zog ein positives Fazit der Sitzung in Kirkel: „Der Arbeitskreis ist ein wichtiger Schritt hin zu einer engeren Zusammenarbeit. Für die Stadt Sulzbach bietet er eine wertvolle Plattform, um Erfahrungen und Ideen auszutauschen, offene Fragen gemeinsam zu klären und neue Impulse für die eigene Arbeit zu gewinnen. Gleichzeitig schafft das Format eine gute Grundlage, um Potenziale der Zusammenarbeit zu erkennen und Synergien gezielt zu nutzen. Dass dieser Austausch künftig regelmäßig fortgeführt werden soll und auf breite Unterstützung stößt, unterstreicht die Bedeutung eines solchen gemeinsamen Dialogs auf Arbeitsebene.“
AGBevoelkerungsschutz002: Kira Rosar vom Ordnungsamt der Stadt Sulzbach, Jonas Jung, zuständig für den Bevölkerungsschutz der Stadt St. Ingbert, und Alesja Hirsch, Leiterin des Sulzbacher Ordnungsamtes (von links), beim Erfahrungsaustausch. Foto: Gemeinde Kirkel/Wolf
AGBevoelkerungsschutz003: Wie agieren bei einem Alarm? Auch das war Thema beim ersten Treffen der neuen Arbeitsgemeinschaft „Bevölkerungsschutz“. Foto: Gemeinde Kirkel/Wolf
Foto: Gemeinde Kirkel/Wolf
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