Die Kunst des einfachen Sagens – Johannes Kühn begeistert sein Publikum

06Auf Einladung des St. Ingberter Literaturforums (ILF) und der Katholischen Erwachsenenbildung Saarpfalz (KEB) las der Hasborner Dichter Johannes Kühn in der St. Ingberter Stadtbücherei vor einem großen begeisterten Publikum Lyrik und Prosa aus seinem Gesamtwerk. Er wurde begleitet von seinen Freunden, der Theologin Irmgard Rech und dem Germanisten Prof. Benno Rech.

Foto: Jürgen Bost
von links Benno Rech, Johannes Kühn, Irmgard Rech und dahinter von links Manfred Kelleter und Hans Guido Klinkner

ILF-Sprecher Jürgen Bost würdigte den Gast aus Namborn, indem er statt einer literaturwissenschaftlichen Einführung einige Gedichte Hans-Guido Klinkners vortrug, die den preisgekrönten „Dichter aus dem Dorf“ feiern. KEB-Leiterin Gertrud Fickinger betonte die religiöse Dimension im Schaffen des bis heute noch diszipliniert tätigen Autors. Seine Erfahrungswelt und sein vom hymnischen Ton der Psalmen geprägter Stil seien zutiefst christlich. Im Wechselgespräch mit Irmgard und Benno Rech, seinem vertrauten Jugendfreund aus dem St. Wendeler Missionshaus, präsentierte Johannes Kühn sodann eine anmutige, formvollendete Lyrik, die einer leisen Gewitztheit nie entbehrt und eine unendlichen Fülle von Haltungen und Tongebungen erreicht. So besingt er die pfeilschnelle Katze und feiert den frei dahinsegelnden Bussard, auch wird das Hausschwein aufgefordert, ja kein Fett aus seinen Poren herauszuschwitzen, um die Vorfreude auf Werktagsbraten und Festschmaus nicht zu schmälern.
In der Tat haben nur wenige saarländische Autoren ihre Werke so weit in die Welt hinausgetragen wie er. Unzählige Gedichtbände sind von ihm erschienen und in mehrere Sprachen übersetzt worden. Zu Lesungen hat man diesen unermüdlichen Schöpfer einer gewaltigen poetischen Welt deutschlandweit und darüber hinaus in renommierte Häuser und Universitäten eingeladen. Kühn zeigt, dass seine Lyrik auch heute weit über dem literarischen Tageslärm nichts von ihrer Überzeugungskraft verloren hat.
Seine Verse handeln von alltäglichen Dingen ebenso wie von existentiellen Erfahrungen, von der Natur und den Tieren in der Schaumberggegend, von der Kirche und seinem Dorf Hasborn, von biblischen Gestalten wie Jakob und Dalida, aber auch von Alter und Tod. Sie rühren an und sind – gleichermaßen modern wie traditionsverwurzelt – von einer erhabenen Schlichtheit. Viel Humor macht ihm auch die Gebrechen des Alters und die Erwartung der letzten Dinge erträglich, getreu dem Vers: „Der Seufzer ist meine eigentliche Kunst“.
Zum Ende der Veranstaltung dankte Jürgen Bost den Akteuren der Lesung ebenso wie dem fasziniert lauschenden Auditorium. Als nächste ILF-Veranstaltungen kündigte er für März eine Lesung in der St. Ingberter Partnerstadt Radebeul mit Texten von Manfred Kelleter und Hans-Guido Klinkner sowie eine Autorenbegegnung mit Ralph Schock am 22. März 2018 in der Stadtbücherei an. Lesungen mit Lothar Quinkenstein aus Berlin (18. April) und St. Ingberter Autoren und ihren Gästen (2. Mai) sollen folgen.
Als Abschluss gab es ein besonderes Bonbon für das Publikum. Manfred Kelleter trug anlässlich der Welttags der Muttersprache und zur Erinnerung an den sich nähernden 125. Todestag Karl-August Wolls ein anrührendes Gedicht des großen Pioniers der pfälzischen Mundartdichtung über seine Heimatstadt St. Ingbert vor. Damit schloss ein gleichermaßen inspirierender wie bewegender Abend.